Vom Grünen-Wähler zum AfD-Wähler: Warum ich aufgegeben habe
Ich habe in den letzten Jahren hauptsächlich die Grünen, die Tierschutzpartei, Die Humanisten und Volt unterstützt. Parteien, die für Wissenschaft, Fortschritt, Klimaschutz, Digitalisierung und gesellschaftliche Modernisierung stehen. Auf Kommunal- und Landesebene werde ich das auch weiterhin tun. Auf Bundesebene hingegen werde ich künftig die AfD wählen.
Ich habe lange geglaubt, dass Deutschland reformierbar ist. Dass die jahrzehntelange politische Stagnation unter Kohl und Merkel irgendwann endet und sich Union und SPD endlich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen oder dass sich die Wähler anderen Parteien zuwenden, wenn sie es nicht tun. Ich dachte, die Menschen würden erkennen, dass sich Wohlstand mit einem bloßen „Weiter so“ nicht erhalten lässt.
Ich wollte Investitionen in Zukunftstechnologien sehen: Glasfaser statt Kupferleitungen, Digitalisierung statt Faxgeräte, moderne Software, automatisch vorausgefüllte Formulare und einen funktionierenden Datenaustausch zwischen Behörden statt Verwaltungsstrukturen aus den 90er-Jahren. Ich wollte Investitionen in künstliche Intelligenz, Automatisierung, erneuerbare Energien, leistungsfähige Stromnetze und eine Industrie, die auch in 20 Jahren noch international wettbewerbsfähig ist.
Ich wollte einen Staat, der langfristig denkt. Einen Staat, der das Bildungswesen und das Baurecht modernisiert, den Föderalismus dort abbaut, wo er Fortschritt verhindert, Genehmigungsverfahren beschleunigt und endlich wieder eine funktionierende Infrastruktur aufbaut.
Ich wollte steuerliche Entlastungen für Arbeit, eine Vermögensteuer auf Vermögen ab zwei Millionen Euro, eine Aktienrente zur Stabilisierung der Altersvorsorge, die Verstaatlichung des Schienennetzes, einen massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und sichere Fahrradinfrastruktur nach dem Vorbild erfolgreicher europäischer Länder.
Stattdessen habe ich den Eindruck gewonnen, dass in Deutschland nur noch verwaltet wird. Probleme werden vertagt, Reformen verschleppt und notwendige Investitionen immer weiter hinausgeschoben, bis sie dem Staatshaushalt komplett auf die Füße fallen. Gleichzeitig steigen Steuern und Sozialabgaben, um alte Strukturen aufrechtzuerhalten oder generationsungerechte Reformen durchzusetzen, während die Qualität vieler öffentlicher Leistungen sinkt.
Mit Merz habe ich endgültig den Glauben verloren, dass sich daran grundlegend noch etwas ändern wird. Die Wahlergebnisse und Umfragen vermitteln mir den Eindruck, dass eine große Gruppe an Wählern den bisherigen Kurs fortsetzen möchte.
Deshalb werde ich künftig die AfD wählen. Nicht, weil sie meine politische Wunschpartei wäre oder weil ich ihre Programmatik vollständig teile, sondern weil ich durch deren geplanten niedrigeren Steuern und Abgaben schneller Vermögen aufbauen kann.
Mein Ziel ist inzwischen nicht mehr, Deutschland zu verändern, sondern Deutschland zu verlassen. Ich möchte in den nächsten Jahren genügend Vermögen aufbauen, um nach Dänemark oder in die Niederlande auszuwandern und dort eine Immobilie zu kaufen.
Vielleicht irre ich mich. Vielleicht gibt es doch noch eine politische Wende. Aber mein Optimismus ist aufgebraucht. Ich hoffe nicht mehr darauf, dass Deutschland den Mut zu den richtigen großen Reformen findet, die ich mir lange gewünscht habe. Stattdessen konzentriere ich mich darauf, mir selbst eine Zukunft außerhalb Deutschlands aufzubauen. Und wenn ich dafür Parteien wähle, die mir nutzen und anderen sowie der Zukunft des Landes schaden, ist mir das egal.
Ich habe von den Boomern gelernt: Scheiß auf alles. Es geht nur um mich mich mich.