u/petersill1339

Europäische Photovoltaik-Anlagen haben seit Eskalation des Iran-Konflikts Gasimporte im Wert von zehn Milliarden Euro vermieden
▲ 1.4k r/de

Europäische Photovoltaik-Anlagen haben seit Eskalation des Iran-Konflikts Gasimporte im Wert von zehn Milliarden Euro vermieden

pv-magazine.de
u/petersill1339 — 2 days ago

Grüner Wasserstoff oder grünes Methan?

Erstmal vorweg, diese Punkte sehe ich als gegeben und die sollen nicht das Thema sein:

  • Energiewende -> Super
  • Grüner Wasserstoff zum Fahren/Heizen -> Quatsch
  • Dunkelflauten -> Problem, aber handhabbar
  • Batteriespiecher -> Super, aber absehbar nicht geeignet für Dunkelflauten
  • "Grüne" Moleküle bei Dunkelflauten zur Stromerzeugung verbrennen -> sinnvoll
  • Hierfür Import von "grünen" Molekülen auf dem Weltmarkt -> sinnvoll. Australien hat z.B. ~ doppelt so viel Sonne wie Deutschland. Das schlägt jeden Transportverlust um Längen.

Das Thema ist: H2-Netz + H2-fähige Gaskraftwerke -> Fragwürdig

Ausgangspunkt ist der letze Absatz in diesem Tagesschau-Artikel:

>Sterner preist als Alternative zudem die von ihm mitentwickelte Power-To-Gas-Technologie an, bei der grüner Wasserstoff mit CO2, etwa aus Biogasanlagen, verbunden wird: "Wir verheiraten Wasserstoff mit CO2. Heraus kommt grünes Methan, letztlich Erdgas. Und dafür ist alles da - die Gaskraftwerke, die Speicher, die Gasnetze - und kann sofort genutzt werden." Teure Investitionen in wasserstofffähige Gaskraftwerke würden dadurch überflüssig.

Wenn man auch grünes CH4 herstellen kann, das anscheinend mit bestehender Erdgas-Infrastruktur kompatibel ist, warum setzen wir dann auf neue "Einhorn"-H2-Infrastruktur, die man anscheinend zu großen Teilen nur für H2 benutzen kann? Das halte ich für eine gewagte Wette, dass sich grünes H2 auf dem Weltmarkt durchsetzen wird und nicht grünes CH4 (oder Ethen)

Mag ja sein, dass der Wirkungsgrad Strom -> H2 ein etwas besser ist, als Strom -> CH4 und man sich den Fischer Tropsch Prozess + CO2 Gewinnung spart. Aber ich hab als Ingenieur immer wieder erlebt, wie unvorstellbar schwer es ist, einen neuen "Einhorn"-Standard, der mit den anderen inkompatibel ist, zu etablieren. Ich glaube, als Politiker mit rechtswissenschaftlichem Hintergrund unterschätzt man das. Insbesondere, wenn die ganzen alten Investitionen schon lange abgeschrieben sind, und der Leidensdruck für "weiter so" sich in Grenzen hält. Die E-Mail z.B. ist technisch hoffnungslos veraltet, trotzdem immer noch der Goldstandard im Austausch zwischen Unternehmen. In der Realität setzt sich meistens eben nicht die beste Technik durch, sondern Netzwerkeffekte binden die Leute an das, was es schon gibt. Es ist meistens leichter, man flanscht einen absurd umständlichen Adapter an eine neue Technik, um sie mit der alten kompatibel zu machen und perfektioniert diese Adapter auf ein Niveau, wie es niemand für möglich gehalten hat, als dass man die bestehende Technik ändert.

Angenommen, ich bin australischer Investor und zur Auswahl stehen zwei PV-Power-2-Gas Start-Ups, die global verkaufen wollen:

  • Das eine produziert grünes H2. Der Markt wären nur wenige Orte auf der Welt mit H2 Infrastruktur und es gibt noch fast keine H2-Tanker. Werden H2-Tanker jemals im großen Stil (=bezahlbar) produziert werden? Nur, wenn es genug Nachfrage gibt. Die kann es aber nur geben, wenn sich diese Start-Ups durchsetzen. Was sie kaum können, solange es keine Tanker gibt. Wie soll man alleine dieses Henne-Ei-Problem lösen?
  • Das andere Startup verlangt 30% mehr pro kWh für grünes CH4, zeigt aber, dass das mit wachsender Skalierung auf 10% Zusatzkosten sinken kann. Dafür kaufen die sich billige gebrauchte LNG Tanker und auf geht's! Die können einfach das meistbietende LNG Terminal anfahren, die Kunden können das sofort mit bewährter Technik speichern, verheizen und gut ist. Da habe ich doch viel mehr Gewissheit als Investor.
u/petersill1339 — 6 days ago