Mit fast 27 Jahren wieder zur Familie ziehen? Probleme mit Arbeit und Studium
Hallo zusammen,
ich bin 26 Jahre alt und lebe seit etwa fünf Jahren in Deutschland, in der Nähe einer Großstadt in Mittelhessen.
Ich arbeite und studiere nebenbei an einer Hochschule. In den letzten Jahren hat meine Arbeit einen großen Teil meines Lebens eingenommen. Mittlerweile habe ich ungefähr 600 Überstunden angesammelt.
Bisher hatte ich die Möglichkeit, trotz meines Studiums weiterhin in Vollzeit angestellt zu bleiben, da ich meine Überstunden nutzen konnte, um mir an bestimmten Tagen für die Vorlesungen freizunehmen. Dadurch konnte ich mein Bachelorstudium im MINT-Bereich so organisieren, dass es zwar etwas länger dauert, ich mich aber nicht unnötig unter Druck setzen muss.
Nun wurde mir allerdings mitgeteilt, dass dieses Modell langfristig nicht mehr möglich sei. Ich und einige andere Mitarbeiter, die ebenfalls sehr viele Überstunden angesammelt haben, sollen diese möglichst schnell und in größerem Umfang abbauen, um arbeitsrechtliche Probleme für das Unternehmen zu vermeiden.
Das bedeutet für mich, dass meine bisherige Planung möglicherweise nicht mehr langfristig funktionieren wird und ich spätestens nächstes Jahr wieder in Teilzeit arbeiten müsste, mit einem entsprechend deutlich geringeren Gehalt.
Hinzu kommt, dass ich in den letzten Monaten zusätzliche Aufgaben übernommen habe, die viel stärker mit meinem Studienbereich zusammenhängen. Dafür wurde vereinbart, dass ich einen Tag pro Woche in einer anderen Abteilung mitarbeiten darf.
Heute wurde mir jedoch mitgeteilt, dass ein Tag pro Woche trotz meines bisherigen Engagements nicht ausreiche, um die Abteilung wirklich sinnvoll unterstützen zu können. Bisher wurde diesbezüglich allerdings noch keine endgültige Entscheidung getroffen.
Sollte mir auch diese Möglichkeit genommen werden, würde mir letztendlich nur noch meine bisherige Tätigkeit bleiben, die mich körperlich stark belastet und kaum etwas mit meinem Studium oder meinen beruflichen Zukunftsplänen zu tun hat.
Nun kommt noch meine Wohnsituation hinzu.
Eigentlich müsste ich innerhalb des nächsten Jahres in eine eigene kleine Wohnung ziehen. Ich habe meine Finanzen durchgerechnet und festgestellt, dass ich mir langfristig höchstens etwa 600 € Warmmiete leisten könnte. Ich wäre durchaus bereit zu pendeln und hätte dafür notfalls auch ein Auto zur Verfügung.
Mein Vater hat mir angeboten, gemeinsam mit ihm eine Wohnung zu suchen. Er arbeitet momentan in Teilzeit. Mit ihm würden auch seine Frau, mit der ich mich gut verstehe, und mein jüngerer Bruder zusammenwohnen. Seine Frau ist selbstständig, verdient allerdings nicht besonders viel. Mein Bruder könnte nächstes Jahr seine Ausbildung beginnen.
Ehrlich gesagt weiß ich momentan nicht, was ich machen soll.
Ich kann mein Studium leider nicht wesentlich schneller abschließen, da ich nebenbei arbeiten muss. Gleichzeitig kann ich mir auch nicht vorstellen, wieder mit völlig fremden Menschen in einer WG zu wohnen.
Unter diesen Umständen würde ich lieber meine eigene Familie unterstützen, die ebenfalls Hilfe gebrauchen könnte. Ich bin mittlerweile gut in Deutschland integriert, kenne mich mit vielen organisatorischen Dingen aus und könnte dadurch einiges beitragen.
Das Problem ist nur, dass ich bald 27 werde und eigentlich gerne unabhängig leben möchte. Ich wünsche mir meine eigene Wohnung, meine Ruhe und die Möglichkeit, meinen Alltag selbstständig zu gestalten, ohne ständig Rücksicht auf andere nehmen zu müssen.
Irgendwie empfinde ich es als persönlichen Rückschritt, in meinem Alter wieder mit der Familie zusammenzuziehen. Obwohl mir natürlich bewusst ist, dass es finanziell sehr sinnvoll wäre und wir uns gegenseitig unterstützen könnten.
Inzwischen ist mir auch klar geworden, dass ich mich stärker auf mein Studium konzentrieren muss. Nach meinem Bachelor möchte ich außerdem noch einen Master machen.
Was meine Arbeit betrifft, werde ich demnächst mit der Geschäftsführung sprechen und fragen, ob das Unternehmen tatsächlich bereit ist, langfristig in meine berufliche Entwicklung zu investieren und mir weitere Perspektiven in der neuen Abteilung zu ermöglichen.
Falls das nicht der Fall sein sollte, werde ich mich wohl so schnell wie möglich nach einem anderen Arbeitgeber umsehen müssen. Idealerweise würde ich gerne eine Teilzeitstelle oder eine Werkstudententätigkeit finden, die besser zu meinem Studium und meinen bisherigen Erfahrungen passt.
Was würdet ihr an meiner Stelle tun?