Beste Freunde sind nicht mehr da, wie geht man damit um?
TW: Selbstverletzung, Mentale Krankheiten, Drogen
Hey ihr Lieben,
Ich glaube ich möchte mir einfach mal etwas von der Seele reden was ich lange Zeit schon in mir trage.
Ich w26, bin mit meinen zwei besten Freunden, nennen wir sie Lisa und Niklas, groß geworden.
Unsere Häuser in der Kindheit lagen alle in einer Reihe Nebeneinander. Wir haben uns immer nach der Schule getroffen und den ganzen Tag verbracht, bis wir abends von unseren Eltern nach Hause mussten, um zu schlafen. Unsere Eltern mochten und alle, wir konnten zu jederzeit bei den anderen ins Haus kommen ohne zu klingeln und wurden mit offenen Armen empfangen.
Wir haben so viele erste Male zusammen erlebt: Erster Vollrausch, erster Kater, erste Liebe, Füherscheine, Sex, erster Herzschmerz. Alles haben wir zusammen durchgemacht, über alles geredet. Wir waren wirklich die besten Freunde. Immer füreinander da und immer an nächster Stelle.
Mit ca 15, fing es bei Niklas an, dass sein Verhalten schlagartig anders wurde. Er wurde distanzierter, trug andere Klamotten und hat sich teilweise wochenlang nicht gemeldet und war wie vom Erdboden verschluckt. Seine Eltern wusste nicht wo er war und alle haben sich Sorgen gemacht. Er kam immer wieder, hat sich entschuldigt, dann verging wieder ein Zeit voller Treffen und guter Laune und dann war er wieder verschwunden.
Das ganze ging Jahre. Irgendwann stellte sich heraus, dass die neuen Klamotten dafür da waren, seine Narben zu verstecken, da er sich selbstervletzt hat.
Und ein paar Jahre später kam dann die Diagnose: Bipolare Störung mit schwerer Depression.
Die Zeiträume in denen er sich nicht meldete wurden länger und er kam immer weniger auf uns zu. Bis er eines Tages einfach verschwunden war..
Für immer.
Bis heute.
Unsere Eltern haben noch Kontakt und es geht im wohl viel besser. Er hat es geschafft eine Ausbildung abzuschließen, ist mit einem lieben Mann zusammen mit dem er ein Haus renoviert und scheint ein glückliches Leben zu führen.
All das freut mich natürlich für ihn, dass Wichtigste war für mich immer, dass es ihm irgendwann wieder gut geht, aber für mich ist es so, als ob er gestorben wäre.
Er ist halt nicht mehr in meinem Leben und ich vermisse ihn so so sehr das es immer noch, nach fast 7 Jahren, in meiner Brust weh tut, wenn ich an ihn denke.
Wir haben versucht ihn zu kontaktieren, ihn angeschrieben, angerufen, sogar Briefe und Pakete geschickt, aber nichts hat geholfen.
Lisa und ich sind bis heute noch "befreundet" und haben versucht das gemeinsam durchzustehen. Aber auch bei ihr wurde eine Depression und eine Bipolare Störung festgestellt. Irgendwann fühlte es sich so an, als würde sich mich nur noch anrufen oder sich bei mir melden, wenn sie irgendwas braucht. Ich weiß, sie meint es nicht so, aber so fühlt es sich halt an.
Alles ist ihr im Leben zu viel. Sie fängt eine Ausbildung nach der anderen an und bricht diese schnell wieder ab aufgrund ihrer Depression. Auch wenn ich dies zwar verstehe, geht es in meinem Leben weiter und ich habe das Gefühl, dass sie an einem Punkt stehen geblieben ist. Ich hatte auch mit Zwangsstörungen zu tun, bin aber zur Therapie gegangen 1x die Woche für ein Jahr und habe dagegen angekämpft, auch wenn das echt schwer war.
Lisa geht es immer schlecht, immer ist irgendwas und ich merke selber, dass ich dort immer mehr Abstand von brauche, da es mich selber nur noch fertig macht. Ich habe ihr oft Hilfe angeboten, ihr Therapeuten raus gesucht etc. aber immer sind es verschieden Gründe, warum sie nicht das macht, was andere ihr raten. Aber es ist ihre Entscheidung und das muss ich akzeptieren. Ich möchte hier auch Depression keinesfalls klein reden. Bloß ist es anstrengend immer die gleichen Gründe zu hören, warum sie nicht zum Therapeuten geht, warum sie die Ausbildung wieder abgebrochen hat, warum sie wieder eine Stunde vor Verabredung absagt etc.
Naja, nun habe ich beide gefühlt verloren. Beide sind nicht mehr wirklich In meinem Leben. Lisa sehe ich zwar manchmal, aber es ist ganz anders als früher. Distanziert, unnahbar und einfach nicht mehr das, was es mal war.
Ich merke wie ich bei neuen Freunden Distanz aufbaue, niemanden zu nah an mich ran lasse. Ich habe Sorge, dass ich aus Angst, wieder jemanden zu verlieren, keine engen Freundschaften mehr aufbauen kann.
Hat hier jemand etwas ähnliches erlebt? Vielleicht auch Tipps, wie man damit besser umgehen kann?