Ich habe große Zweifel an meiner Intelligenz
Das Thema Intelligenz ist bei weitem das Thema, welches mir am meisten nahe geht. Im Alltag habe ich viele Momente, bei dem ich wie wegegetreten bin. Vielleicht liegt es ja auch an meinem ADS, aber im Endeffekt ist diese Krankheit eine kognitive Beeinträchtigung - was Selbstzweifel hervorbringt.
Beispielsweise spiele ich ein Videospiel und ich kann der Story nicht ganz Folgen. Ich übersehe viele Details und ich bleibe an Stellen hängen, bei denen man eigentlich keine Probleme haben sollte. Bei Rätseln brauche ich 3 mal länger als meine Freunde.
Unzählige Male habe ich ein Film nicht verstanden, wobei meine ganzen Freunde es für Selbstverständlich hielten, dass man die Handlung verstehen muss.
Die Orientierung verliere ich ständig, versäume Termine, vertausche alles mit allem und es ist generell ein pures Chaos. Ich kann mich nichteinmal richtig artikulieren und stocke wirklich viel, jedenfalls wenn es ums Mündliche geht. Beim Schreiben geht es.
Wenn ich das so runterschreibe, hört es sich nicht so schlimm an. Aber bei mir ist es wirklich stark ausgeprägt. Ich mache Fehler, die sonst keiner macht. Ich meine es komplett ernst, mein ganzes Umfeld hat mich mehrmals auf meine Defizite angesprochen. Selbst wenn ich in ein anderes Umfeld komme, es wird sich sehr oft über mich lustig gemacht oder meine Leistung wird zum Thema gemacht. Die scheinbar nettesten Personen haben mich von der Seite angesprochen und vorsichtig in ernster Tonlage gemeint, dass sie noch nie gesehen haben, dass jemand auch nach 10 wiederholten Anweisungen nicht checkt, was er zu tun hat. Alleine daran merkt man, dass das Feedback nicht nur von Arschlöcher kommt, sondern ein ernsten Hintergrund hat.
Kleiner funfact: Ich habe Fachabi geschrieben und bin am Tag der schriftlichen Prüfung in das falsche Gebäude gegangen. Das richtige Gebäude war 1 Stunde entfernt. Ich bin auch mal im falschen Praktikumsbetrieb gelandet. Ich will aber nicht allzu sehr ausholen.
Es verletzt mich, wobei ich mich selbst noch mehr dafür verurteile. Keiner nimmt mich noch ernst und ich werde als dumm abgestempelt.
"Heutzutage" haben ja viele AD(H)S, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass ich da ein Extremfall bin. Ich kenne Leute die diese Krankheit haben, aber dennoch merkt man den Leuten an, dass sie intelligent sind und immer die richtige Lösung parat haben. Ich bin hingegen langsam. Zu langsam.
Therapie hat einfach gar nicht geholfen. Ich will auch nicht wieder da hingehen, ich hoffe man versteht das.
Ich weiß einfach nicht, wie ich damit umgehen soll. Es zerfrisst mich innerlich. Ich schäme mich einfach unfassbar und ich habe niemanden, dem ich das erzählen kann/will, der in meinem Umfeld ist. Die meisten hören schon auf mich ernst zu nehmen, wenn sie das Wort "ADHS" hören. Sie meinen, dass sie das wahrscheinlich auch haben, weil sie ab und zu sich nicht konzentrieren können, vor allem bei Dingen, die sie nicht interessant finden (Ich könnte kotzen, wenn sie mein Leidensdruck mit sowas normalen "legitimieren").