
Steirische Slowenen: unsichtbare Volksgruppe?
https://on.orf.at/video/14004913/steirische-slowenen-unsichtbare-volksgruppe
Die Geschichte der slowenischen Minderheit in der Steiermark ist tief mit der Region verwurzelt, prägte jedoch über Jahrzehnte hinweg ein Dasein im Verborgenen. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie und der Neuziehung der Grenzen im Zuge des Vertrages von Saint-Germain im Jahr 1919 verblieb eine slowenischsprachige Bevölkerungsgruppe im Süden der Steiermark – vor allem im Bereich der Radkersburger Bahn und im Soboth-Gebiet.
In den folgenden Jahrzehnten, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges, war die Lage der steirischen Slowenen von starkem Druck zur Assimilierung und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit geprägt. Im Gegensatz zu den Kärntner Slowenen, die im Österreichischen Staatsvertrag von 1955 explizit genannt und rechtlich verankert wurden, blieb die steirische Minderheit lange Zeit ohne formelle Anerkennung. Dies führte dazu, dass viele Angehörige ihre Muttersprache nur noch im privaten Rahmen nutzten und der Gebrauch des Slowenischen in der Öffentlichkeit oft gemieden wurde – die Minderheit wurde zur „unsichtbaren“ bzw. „versteckten“ Volksgruppe.
Erst in den lateinischen 1980er und 1990er Jahren begann ein spürbarer Wandel. Junge Initiativen und Vereine, allen voran der Artikel-VII-Kulturverein (Pavel-haus / Pavlova hiša) in Laafeld bei Bad Radkersburg, begannen, die eigene Sprache und Kultur wieder selbstbewusst einzufordern und im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Durch Ausstellungen, Sprachkurse, Kulturveranstaltungen und grenzüberschreitende Projekte gelang es schrittweise, das historische Erbe aufzuarbeiten und die Minderheit aus dem Schatten zu holen.
Gestalterische Aufarbeitungen wie das ORF-Porträt von Cedomira Schlapper in der Sendereihe Heimat Fremde Heimat geben diesen Menschen eine Stimme. Sie beleuchten die vielschichtige Identität der slowenischsprachigen Steirerinnen und Steirer, die heute als Brückenbauer in einer zusammenwachsenden europäischen Grenzregion agieren und einen unverzichtbaren Teil des kulturellen Erbes der Steiermark bilden.